Was heißt Weisheit?

WeisheitLetzte Woche habe ich eine neue Video-Serie begonnen mit dem Titel „Die tägliche Dosis Weisheit“ (die Videos findest DU auf meiner facebook-Seite und seit gestern auch auf YouTube).

Die Frage, die mir viele Leute in böswilligen Variationen als Vorwurf entgegen schleudern, die ich mir Selbst aber als konstruktive Frage immer wieder stelle, ist: Was berechtigt mich dazu, von „Weisheit“ zu sprechen? Und meine Antwort ist: Rein gar nichts. Ich bin kein zertifizierter Weiser, ich habe keinerlei akademische Legitimationen und ich bin auch weit davon entfernt, ein durch und durch weises Leben zu leben.

Zwei Dinge waren entscheidend dabei, diese Video-Serie zu beginnen:

Zum einen das häufige Feedback meiner Coaching-Klienten und der Kunden meiner Akademie der Befreiung, dass sie die Inhalte meiner Arbeit als „weise“ erleben – wenn dieser Begriff von denen, die sich mit meiner Arbeit und ihren Ergebnissen aus eigener Erfahrung auskennen, so oft verwendet wird, dann scheint es zumindest ein „weises“ Element in meinen Inhalten zu geben.

Zum anderen hat mich die Natur von Weisheit selbst – so wie ich sie im derzeitigen Stadium meiner Entwicklung verstehe – dazu bewogen: Das bekannteste Zitat zum Thema Weisheit stammt von dem als ultimativen Weisen der westlichen Geistesgeschichte angesehenen Philosophen Sokrates – „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“
Ich halte dies deshalb für eine so präzise Beschreibung von Weisheit, weil sie die Tätigkeit der Weisheit zusammenfasst: Wer weise ist, kann per definitionem nichts wirklich wissen, weil „Wissen“ implizieren würde, dass er keine Fragen mehr hat, sich seiner Sache vollkommen sicher ist, und somit aufgehört hat zu denken. Und wer aufhört zu denken, kann unmöglich weise sein.

Ich würde sogar so weit gehen, Weisheit noch radikaler zu verstehen: Wer weise ist, ist schon nicht mehr weise, weil er sich selbst nicht mehr hinreichend in Frage stellt. Wer sich selbst für weise hält, macht Weisheit unmöglich. Weisheit ist ein unablässiges Weiter-Fragen und Weiter-Denken.
Und wer sich selbst, sein „Wissen“ und seine „Wahrheit(en)“ nicht mehr in Frage stellt, kann auch nicht mehr weise handeln, weil er nur noch aus Automatismen heraus (re-)agiert und sich nicht mehr mit der Einzigartigkeit des Augenblicks und der Unverwechselbarkeit jeder Situation auseinandersetzt.

Dabei würde ich in keinster Weise bestreiten, dass Wissen, Bildung, Lebenserfahrung nicht hilfreiche Elemente, wahrscheinlich sogar notwendige Elemente, der Weisheit sind. Aber ich würde denken, dass sie höchstens Ausgangspunkte darstellen, Sprungbretter zur Tätigkeit des Weise-Seins.

In diesem Sinne verstehe ich meine „Tägliche Dosis Weisheit“ als Anregungen zum selbst denken, nicht als einen Ozean von Weisheit aus dem man sich nur kräftig besaufen müsse, um selbst weise zu werden.
Wenn nur einige wenige meiner Leser und Video-Zuschauer meine Arbeit als eine solche Anregung verstehen, neue Fragen zu stellen und mit neuem Handeln zu experimentieren, um ihr Leben und das Leben der Menschen um sie herum ein klein wenig besser zu machen, dann wäre ich reich beschenkt.

Alles Liebe,

       Niels Koschoreck

P.S.: Meine detaillierteren VideoPräsentationen und OnlineKurse findest Du an meiner Akademie der Befreiung – nur noch heute, zu Halloween, sind alle Angebote dort günstiger zu erwerben!

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